Was bedeutet eigentlich Digitalisierung?

Was bedeutet eigentlich Digitalisierung?

Was bedeutet die Digitalisierung für mein Unternehmen? Digitalisierung ist ein Transformationsprozess, der sowohl die Wirtschaft als auch das Leben tiefgreifend verändert. Längst ist dieser Prozess in vollem Gange. Er zeigt sich in neuen Wirtschaftsbranchen, Geschäftsmodellen und Fertigungsmethoden, aber auch in der Art, wie wir kommunizieren, lernen und arbeiten. Der technische Fortschritt macht die Erhebung, Speicherung und Verwertung riesiger Datenmengen (Big Data) möglich und dank künstlicher Intelligenz (KI) werden auch komplexe Transferleistungen menschlicher Intelligenz digitalisierbar und wirtschaftlich verwertbar.

Der digitale Wandel ist ein Strukturwandel

Der digitale Wandel ist ein Strukturwandel (26.05.2017), der alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche beeinflusst und Menschen wie Unternehmen und die Gesellschaft vor eine anspruchsvolle Herausforderung stellt. Und zwar weltweit. In diesem Umfeld der Veränderung wird sich das Unternehmertum anders justieren und zum Teil völlig neu aufstellen müssen. Wie die Unternehmer kann auch die Beraterschaft nicht mehr auf bewährte Konzepte und Methoden zurückgreifen, sondern muss auf neue Fragen kreative Antworten finden.

vgl. Richard David Precht – Die digitale Revolution der Gesellschaft; Veröffentlicht am 15.03.2017 in der Reihe „Bildungsgespräch“ sprach der Philosoph und Autor Richard David Precht („Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“) am Dienstag, den 07.02.2017, mit Journalist Reinhard Kahl über „Die digitale Revolution“.

Ziel und Anspruch: Abschaffung aller Medienbrüche

Diese drei Megatrends der 4. Industriellen Revolution führen von der Abschaffung der Reihenprozessverarbeitung bis hin zur vollständigen Integration und Vernetzung aller Arbeits- und Lebensbereichen. In den Fabriken der Zukunft verschmelzen IT und Fertigungstechnik. Die digitale Vernetzung macht es möglich, Maschinen aufeinander abzustimmen, Zeit und Ressourcen einzusparen und individuelle Wünsche auch in geringen Stückzahlen und nahezu losgelöst von zeitlichen und räumlichen Beschränkungen wirtschaftlich herzustellen. Dies gelingt immer mehr mit Big-Data (Erhebung, Speicherung und Verwertung riesiger Datenmengen), Internet der Dinge (IOT) und Künstlicher Intelligenz (KI).

Informatisierung aller Vorgänge und Prozesse

Die „Informatisierung“ nimmt also in der Industrie 4.0 konkrete Formen an – selbst in klassischen, handwerklichen oder gewerblichen Betrieben und Dienstleistungsunternehmen. Die digitale Revolution Industrie 4.0 ermöglicht eine bislang nie dagewesene IT-gestützte Prozessoptimierung und Effizienz in der Produktion. Dies erhöht die Anforderungen an die finanziellen und betrieblichen Planungs- und Entscheidungsprozesse, die auf die übrigen Leistungs- und Informationsprozesse abgestimmt und also gleichermaßen digitalisiert sein müssen. Und natürlich werden auch sämtliche Verwaltungsabläufe zu hinterfragen und in den digitalisierten Wertschöpfungsprozesse digital zu integrieren sein (vgl. hierzu NWB Nr. 14 vom 03.04.2017, Beilage 2/2017).

Qualifikation im Wandel: Zwingende Konsequenz der Digitalisierung

Als letzte und entscheidende Konsequenz müssen die in den digitalisierten Wertschöpfungs-, Planungs- und Entscheidungsprozessen eingebundenen Menschen ganz andere Fähigkeiten und Qualifikationen mitbringen als sie gelernt haben und bisher gewöhnt sind anzuwenden. Die Auswirkung des demographischen Wandels führt heute schon dazu, das offene Stellen nicht mit geeigneten Bewerbern besetzt und viele drängende strategische und innovative Projekte in den Unternehmen daher nicht in Angriff genommen werden können. Außerdem geht das so genannte intrinsische Wissen der Unternehmen mit dem Ausscheiden der Arbeitnehmer verloren, da diese ihre über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen und das praktische nicht an die jüngere Generation übergeben können.

Chancen und Risiken im Zeichen der Digitalisierung

Die Wirtschaft erfährt heute schon tiefe Umbrüche: Die Digitalisierung oder besser Informatisierung durchzieht längst alle Unternehmen, alle Branchen und alle Geschäftsmodelle. Zwischen der realen und der digitalen Wirtschaft lassen sich kaum noch Grenzen ziehen.

Ob E-Commerce für den Einzelhandel, der Einsatz von Robotern in der Altenpflege, Online-Marktplätze für Handwerker, der 3D-Print für die Industrie, Social-Media-Plattformen für die Kundengewinnung, elektronische Geo-Daten für die Landwirtschaft oder den Handel – die digitale Transformation von Wirtschaft, Produktion und Kundenbeziehungen ist eine zentrale Herausforderung gerade für das Industrieland NRW.

Produkte mit maßgeschneidertem Design, kleinste Stückzahlen und schnelle Lieferung werden zunehmend Standard. In dieser 4.0-Welt kommunizieren Maschinen, Dienstleister, Produkte und Abnehmer von der Produktplanung bis hin zum Service über alle Stufen der Wertschöpfung hinweg. Allerdings ist das Wissen über Chancen und Geschäftsmöglichkeiten digitaler Prozesse insbesondere im Mittelstand bisher noch wenig verbreitet.

Bleibt der Mittelstand Motor der deutschen Wirtschaft?

Der Mittelstand galt immer als ein wesentliches Element des Erfolgs der deutschen Wirtschaft. In ihm vereinig(t)en sich kleine und mittelständische Unternehmen, die zumeist inhabergeführt hohe Innovativität mit einer internationalen Marktperspektive und einer großen sozialen Verantwortung kombinier(t)en.

Ob die erfolgreichen mittelständischen Unternehmen von gestern und heute mit ihren Nischenstrategien auch die „Champions“ von morgen sein werden, darf angezweifelt werden. Es mehren sich die Anzeichen, dass dieses Erfolgsmodell in eine Krise gerät, sofern in bestimmten Bereichen nicht gegengesteuert wird: Die unternehmerischen Entscheidungen erfordern angesichts der globalen Herausforderungen einen Weitblick, der die wichtigsten Trends erkennt und zugleich auf der betrieblichen Ebene Antworten darauf formuliert.

Angesichts einer ständig steigenden Vernetzung der Wirtschaft in global agierenden Wertschöpfungsnetzwerken, einer zunehmenden Digitalisierung von Produkten und Prozessen sowie weiteren Herausforderungen, wie dem demographischen Wandel, kommen etablierte Vorgehensweisen dabei schnell an ihre Grenzen.

Hinzu treten disruptive Technologien, die etablierte Geschäftsmodelle radikal hinterfragen. Gleichzeitig lässt sich ein Nachlassen des Innovationsbeitrags des Mittelstandes an der gesamtwirtschaftlichen Innovationsleistung beobachten.

Bewährte Vorgehensweisen müssen sich der Zukunft anpassen

Derartige umfassende Veränderungen bergen naturgemäß Risiken, aber auch Chancen. Werden die Risiken nicht frühzeitig genug erkannt und durch entsprechende Maßnahmen minimiert, kann dies gravierende Auswirkungen haben. Der Umgang mit dem Wandel erfordert von den Unternehmen also geänderte Marktbearbeitungskonzepte, die einhergehen müssen mit unterschiedlichen Investitionen in inner- und zwischenbetriebliche Infrastruktur sowie in das erforderliche Fachpersonal. Es besteht die Sorge, dass kleine und mittlere Unternehmen, und hier insbesondere die überwiegend kleinen und kleinstbetrieblich organisierten Unternehmen, den Anschluss verlieren. Es fehlt vor allem an dem nötigen Eigenkapital für die erforderlichen Innovationen, den erforderlichen Fachkräften für die Entwicklung der geforderten Innovationen und also an der Zeit, sich mit der Zukunft auseinander zu setzen.

Volks- und betriebswirtschaftliche Herausforderung

Es besteht ein breiter gesellschaftlicher Konsens, dass die volkswirtschaftliche Bedeutung gerade dieser Klein- und Kleinstbetriebe so groß ist, dass frühzeitig Strategien und Konzepte entwickelt werden müssen, um Risiken zu minimieren und die Chancen nutzbar zu machen. Gerade in der mittelständisch geprägten Wirtschaft Deutschlands tragen schließlich die kleinen und kleinsten Betriebe maßgeblich dazu bei, dass Arbeitsplätze in breiter regionaler Streuung angeboten, die Versorgung in ländlichen Regionen gesichert und mittelständische Zulieferstrukturen gestärkt sowie das Know-how der gesamten Wirtschaft durch Ausbildung, über den eigenen Bedarf hinaus, vermehrt werden.

So können die technischen Entwicklungen auch kleinen Betrieben neue Möglichkeiten bei der Erschließung neuer Märkte bieten und die gesellschaftlichen Veränderungen neue Bedarfe einer älter werdenden Gesellschaft entstehen lassen.

vgl. DB Nr. 44 vom 04.11.2016, Herausforderung der Digitalisierung aus Beratersicht,

vgl. NWB Nr. 14 vom 03.04.2017, Beilage 2/2017

vgl. https://www.wirtschaft.nrw/digitale-wirtschaft (30.08.2017)

vgl. https://www.wirtschaft.nrw/industrie-40 (30.08.2017)

vgl. http://www.mittelstand-digital.de/DE/Foerderinitiativen/mittelstand-4-0.html (26.05.2017)

vgl. http://www.mittelstand-digital.de/DE/root,did=805744.html (26.05.2017)

Vgl. diverse Publikationen, z.B. Innovativer Mittelstand 2025: Herausforderungen, Trends und Handlungsempfehlungen für Wirtschaft und Politik; Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie,  Oktober 2016; Dialog und Perspektive Handwerk 2025, Strategiekonzept und Handlungsfelder für das Handwerk in Baden-Württemberg, Januar 2017, Landesregierung Baden-Württemberg, itb – Institut für Technik der Betriebsführung, i/f/h – Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität in Göttingen