Entwicklungsdynamik neugegründeter Unternehmen

Entwicklungsdynamik neugegründeter Unternehmen

Das IFM stellte am 18.09.2017 eine Studie zur Entwicklungsdynamik neugegründeter Unternehmen vor. Die Studie stellt dar, warum eine gründungsfreundliche Wirtschaftspolitik, die fortwährend neue unternehmerische Aktivitäten anstößt und unterstützt, als sinnvoll erachtet werden kann. Implizit erklärt sie damit auch, warum etablierte Unternehmen ein solch großes Interesse an vielversprechenden Start-Ups zeigen. Die Beschäftigung mit den Entwicklungsläufen neugegründeter Unternehmen macht aber auch deutlich, warum die angestrebte Win-Win-Situation nicht zwangsläufig und schon gar nicht nachhaltig eintreten muss.

Neugründungen wachsen häufiger und schneller

Die Studie wertet die Umsatzentwicklung neugegründeter Unternehmen aus, die nach ihrer Gründung in den Jahren 2002 bis 2004 noch mindestens sechs weitere Jahre umsatzsteuerpflichtig waren. Die Auswertung erfolgt differenziert nach Wirtschaftssektoren und Größenklassen und auf Basis des Umsatzsteuerpanels 2001 bis 2010. Sie stellt fest, dass neugegründete Unternehmen sowohl häufiger als auch schneller als die etablierten Unternehmen wachsen.

Besondere Wachstumsdynamik nur am Anfang

Gründungen zeichnen sich allerdings nur temporär durch eine besondere Wachstumsdynamik aus. Diese jungen Unternehmensgründungen scheinen also eine mindestoptimale Unternehmensgröße anzustreben, um ihre Fixkosten zu reduzieren bzw. ihre langfristigen Stückkosten zu minimieren; mittelfristig unterscheiden sie sich dann kaum von Bestandsunternehmen. Da sich das Wachstum dieser jungen Unternehmen in kurzer Zeit dem der alteingesessenen Unternehmen angleicht, ist es wichtig, die Zahl der Unternehmensgründungen fortwährend auf einem hohen Niveau zu halten. Nur so lassen sich die beschriebenen Wachstumseffekte dauerhaft sichern.

Typische Wachstumsmuster

Interessant ist die Beschreibung der typischen Wachstumsmuster und Entwicklungsläufe dieser Unternehmen. Es zeigt sich, dass junge Unternehmen anfänglich überdurchschnittlich häufig und stark wachsen. Mehr als ein Drittel der Gründungsunternehmen wächst zudem – mitunter unterbrochen von temporären Rückschlägen – dauerhaft. Im wenig kapitalintensiven Sektor Unternehmensdienstleistungen streben hingegen viele Unternehmen ganz bewusst kein Wachstum an. Hierbei handelt es sich häufig um Soloselbstständige. Rund ein Sechstel der Unternehmen bleibt trotz dauerhaften Umsatzrückgangs am Markt. Diese Unternehmen sind nicht notwendigerweise zum Scheitern verurteilt. Sie benötigen vielmehr häufig eine längere Entwicklungsphase um zu wachsen.

Gründungsfreundliche Wirtschaftspolitik

Die Autoren fordern also eine gründungsfreundliche Wirtschaftspolitik, die fortwährend neue unternehmerische Aktivitäten anstößt und unterstützt kann daher als sinnvoll erachtet werden. Besonders sollte sich die Wirtschaftspolitik um solche Gründungen kümmern, die erst nach einer langen Entwicklungs- und Aufbauphase zu wachsen beginnen. Es wäre aus wirtschaftspolitischer Sicht von hohem Interesse, die Rahmenbedingungen für diese Gruppe so zu gestalten, dass sie kurz vor einem möglichen Umschwung nicht doch noch aus dem Markt ausscheiden.

Was ist „Unternehmenswachstum“?

Die Autoren versuchen auch den Begriff „Unternehmenswachstums“ zu definieren, da keine allgemeingültige Definition existiert. Nach Vorüberlegungen beschreiben sie die volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Erklärungsansätze. Unternehmenswachstum wird demzufolge „als eine sich über einen bestimmten Zeitraum ergebende zunehmende Größe eines Unternehmens“ definiert.  „Dieses Wachstum kann organisch, aus dem Unternehmen heraus, oder anorganisch, z.B. durch Zukauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen, erfolgen. Bei jungen Unternehmen dominiert in aller Regel das organische Wachstum.“ … „Gemessen wird das Unternehmenswachstum üblicherweise anhand einer oder mehrerer quantitativ erfassbaren Maßzahlen, die wiederum input- oder outputorientiert sein können … „.

7 typische Entwicklungsverläufe

Da weder von der Theorie noch von der Empirie gestützte eindeutige Entwicklungsverläufe neugegründeter Unternehmen erkennbar sind, versucht die Studie ein möglichst breites Spektrum an Entwicklungsverläufen neugegründeter Unternehmen abzudecken. Mit Blick auf die vorhandene Literatur unterscheiden die Autoren dann sieben typische Verläufe.

  1. Unternehmen mit kontinuierlichem Wachstum
  2. Unternehmen, mit anfänglichem Wachstum gefolgt von temporären Rückschlägen
  3. Unternehmen mit anfänglichem Wachstum und Erreichen einer Wachstumsschwelle
  4. Unternehmen ohne Wachstum
  5. Unternehmen mit verzögertem Wachstum
  6. Unternehmen mit rückläufigen Umsätzen
  7. Unternehmen mit anfänglichem Wachstum, gefolgt von Schrumpfung

Entwicklungsläufe von Gründungsunternehmen verstehen

Auch wenn die Gründungsvoraussetzungen heute andere sind als die der Untersuchung zugrunde liegenden, empfiehlt sich die Lektüre dieser Studie, da sowohl die Motivationslage heutiger Gründer als auch die Entwicklungsläufe der Gründungsunternehmen nicht wesentlich andere sein werden als in der Vergangenheit.

Quelle: „Zur Entwicklungsdynamik neugegründeter Unternehmen – Eine Längsschnittanalyse auf Basis des Umsatzsteuerpanels“, Autoren: Hans-Jürgen Wolter, Arndt Werner und Stefan Schneck, Herausgeber: Institut für Mittelstandsforschung, Bonn im Juli 2015, Entwicklungsdynamik neugegründeter Unternehmen_IfM-Materialien-238_2015, veröffentlicht am 18.09.2017 https://www.ifm-bonn.org/ (24.09.2017)